Verabschiedung des 10. Jahrgangs 2011

Mit abwechslungsreichen musikalischen Einlagen wurden jeder Tutorengruppe auf der Bühne die Zeugnisse und pro Schüler/in eine Rose überreicht.

(Die Worte des Schulleiters zu diesem feierlichen Anlass können unter den Fotos nachgelesen werden.)

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Rede des Schulleiters zur Verabschiedung des 10. Jahrgangs 2011

Liebe Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs der Thomas-Mann-Oberschule,

Ihr seid am heutigen Tag sicher die wichtigsten Teilnehmer dieser Verabschiedung, deshalb möchte ich Euch auch als erste begrüßen – aber es gibt eine ganze Reihe von Personen, ohne die Ihr heute nicht hier wärt, und deshalb möchte ich auch sie an dieser Stelle begrüßen:

Liebe Eltern,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Mitschüler und Freunde der Thomas-Mann-Oberschule!

 

Heute wollen und müssen wir die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs des Jahrgangs 2011 an der Thomas-Mann-Oberschule verabschieden. Seien Sie dazu alle uns herzlich willkommen!

 

Liebe Schüler – die meisten von Euch  haben mit dem heutigen Tag die Gesamtschule, die Ihr in den letzten 4 Jahren besucht habt – bei einigen war das auch das ein oder andere Jahr mehr – erfolgreich abgeschlossen und Ihr alle tretet in einen neuen Lebensabschnitt ein. Da sollte ein Tag wie dieser ruhig einmal genutzt werden, um einen kurzen Rückblick auf die vergangenen Jahre zu halten und einen ebenso kurzen Ausblick zu machen auf das, was Euch in der Zukunft erwartet.

 

Wenn wir zurück blicken, was hat sich in diesen 4 Jahren so ereignet, wie ist die Zeit für Euch verlaufen?

 

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch daran, wie Ihr vor 4 Jahren am ersten Tag nach den Sommerferien hier in diesem Saal des Fontane-Hauses saßt, Herr Braune, mein Vorgänger, Euch hier bei der Einschulungsfeier begrüßte, wie aufgeregt Ihr wart, weil Ihr noch nicht wusstet, was Euch hier erwartete, mit welch gemischten Gefühlen Ihr Eure neuen Mitschüler und Tutoren kennen gelernt habt, wie riesig und unübersichtlich Euch diese Schule mit dem vielen Beton vorkam, wie gerne Ihr wieder in Eure alte Grundschule zurück gegangen wärt, weil Ihr dort die Großen gewesen und hier auf einmal die Kleinen wart, ist das tatsächlich erst 4 Jahre her?

 

Aber Ihr habt Euch schnell eingelebt, nach kurzer Zeit kanntet Ihr alle Räume und versteckten Ecken der Schule, die Steinhalle gehörte Euch und auch die Schüchternheit und Zurückhaltung gegenüber Mitschülern und Lehrern verlor sich schnell.

 

Im 8. Jahrgang wart Ihr bereits Gesamtschulprofis und besonders stolz, wenn Lehrer sich beklagten, Eure Klasse sei die schlimmste, die sie je unterrichtet hätten, das war Eure wilde Zeit hier.

 

Im neunten Jahrgang wurdet Ihr wieder ruhiger. Erstens wart Ihr älter und vernünftiger geworden, zweitens fiel in diese Zeit das Betriebspraktikum, das einige von Euch dazu brachte darüber nachzudenken, dass es für Euch auch ein Leben nach der Schulzeit geben könnte, und dass dieses Leben ganz andere Erwartungen an Eure Leistungen und Euer Verhalten stellen würde, als Ihr es bisher gewohnt wart. Als Folge gingen Disziplinprobleme immer weiter zurück und Eure Lehrer begannen zu hoffen, dass aus Euch vielleicht doch noch vernünftige Menschen werden könnten.

 

Offensichtlich war diese Hoffnung nicht ganz unbegründet, denn im  10. Jahrgang wurdet Ihr endlich das, was Ihr schon immer sein wolltet – die Großen der Mittelstufe und eine ganze Reihe von Euch stellte fest, dass Schule doch nicht so schrecklich war, wie man immer geglaubt hatte und man sich vorstellen konnte, noch drei weitere Jahre hier zu verbringen, nämlich bis zum Abitur. Und ich freue mich besonders, heute sagen zu können, dass  41 Schülerinnen und Schüler die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss mit der Berechtigung zum Übergang in die gymnasiale Oberstufe bestanden haben. Dazu herzlichen Glückwunsch!

 

Aber auch diejenigen von Euch, die nicht weiter zur Schule gehen wollen, haben sich erfolgreich geschlagen:  49 Schülerinnen und Schüler haben erfolgreich den Mittleren Schulabschluss bestanden und damit den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Zukunft gelegt, auch dazu herzlichen Glückwunsch. 

 

Einige waren nicht ganz so erfolgreich. Bei dem einen klappten die Prüfungen zum MSA nicht so richtig, bei dem anderen reichte es nicht ganz mit den Jahreszensuren. Doch auch mit dem erweiterten Hauptschulabschluss oder dem Hauptschulabschluss habt Ihr heute wieder viele Möglichkeiten, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. In diesem Zusammenhang geht mein besonderer Dank an die Ausbildungsplatzpaten, die sich sehr und meist erfolgreich darum bemüht haben, Euch auf die Berufsentscheidung vorzubereiten, Euch bei Euren Bewerbungen zu unterstützen und bei der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb behilflich zu sein.

 

Um den Rückblick abzuschließen, möchte ich noch auf Eure Tutoren verweisen. Waren einige von denen noch im 8. Jahrgang wie gesagt der Ansicht, Ihre Tutorengruppe sei das schlimmste Ereignis seit dem Untergang von Pompeji, so sitzen sie heute hier und können sich nur schweren Herzens von Euch trennen, der ein oder die andere wird nachher wahrscheinlich eine Träne im Auge wegdrücken, denn heute sind sich wieder alle einig, dass Ihr eigentlich (Lehrer sagen immer „eigentlich“) ein netter Jahrgang wart.

 

Was hat die Schulzeit für Euch gebracht, was habt Ihr in den vergangenen 4 Jahren hier gelernt?

Logisch: Deutsch, Mathe, Englisch, Gesellschaftskunde und all die anderen Fächer, in denen ihr mehr und oft auch weniger begeistert gelernt habt. Dort habt ihr Kenntnisse erworben, die Euch sicher in der Zukunft noch nützen werden, auch wenn jetzt der ein oder andere denkt, in manchen Fächern habe er auch viel Überflüssiges lernen müssen (beliebter Satz bei Schülern: „Wozu brauche ich später denn überhaupt noch Algebra, die braucht kein Mensch, um einzukaufen!“)

 

Darüber kann man wunderbar streiten, aber:

 

Habt Ihr in Eurer Schulzeit auch etwas gelernt, was über die Anhäufung von bloßem Faktenwissen hinaus geht?

Ein kleiner Hinweis: Ich meine jetzt nicht, wie man die Schule in der Pause durch das Loch im Zaun hinten auf dem Hof verlässt, wie man eine Eckstunde schwänzt, wo man unentdeckt heimlich rauchen kann, wie man die Unterschrift der Eltern auf einer Entschuldigung erfolgreich kopiert, und und und…

 

Einen Hinweis auf diese andere Seite des Lernens findet Ihr in der Anlage zu Euren Zeugnissen, in dem Blatt, das mit „Arbeits- und Sozialverhalten“ überschrieben ist und in dem deutlich wird, dass Schule nicht nur den Auftrag hat Euch Wissen zu vermitteln, sondern dass Schule auch einen Erziehungsauftrag hat. Sicher – den weitaus größten Beitrag zu Eurer Erziehung haben Eure Eltern geleistet und ich denke, sie werden es auch weiter tun, selbst dann, wenn Ihr es kaum noch merkt. Eltern ist man immer, das hört nie auf. Dafür solltet Ihr ihnen dankbar sein.

 

Doch auch die Schule hat den Auftrag, sich um Eure Erziehung zu kümmern, auch wenn Ihr das oft nicht einsehen wolltet oder konntet.

 

Wenn wir uns den Bogen zum „Arbeits- und Sozialverhalten“ anschauen, dann findet Ihr Bereiche, in denen wir glaubten, zu Eurer Erziehung beitragen zu können und damit Eigenschaften und Verhaltensweisen zu entwickeln, die für ein menschliches Miteinander innerhalb, aber auch außerhalb der Schule wichtig sind.

 

Da findet Ihr unter anderem „Zuverlässigkeit“: In der Schule hieß das, dass Ihr zum Beispiel Eure Hausaufgaben regelmäßig und selbst machtet, dass Ihr Eure Arbeitsmaterialien dabei hattet, dass Ihr bei Ausflügen und Exkursionen pünktlich zum verabredeten Treffpunkt erschient (Ihr erinnert Euch ?), Zuverlässigkeit ist aber auch eine Eigenschaft, die für Euer weiteres Leben große Bedeutung haben wird. Nicht nur die Existenz Eures Arbeitsplatzes wird davon abhängen, sondern auch Eure Eigenschaft, Freunde zu finden und diese Freunde zu behalten – wer sich nicht auf Euch verlassen kann, wird bald zu der Ansicht kommen, dass er ohne Euch genau so gut oder vielleicht sogar besser leben kann.

 

Auf dem Bogen steht „Verantwortungsbereitschaft“. Dazu gehört, dass man für das eigene Verhalten Verantwortung übernehmen muss, dass man zu dem steht, was man selbst getan und vielleicht verbockt hat und nicht andere oder auch niemand dafür einstehen sollen oder müssen. In diesen Zusammenhang gehört auch das Wort „Ehrlichkeit“, auch wenn es auf dem Zeugnisbogen nicht extra erwähnt wird. Wir erwarten von anderen Menschen, dass sie uns gegenüber ehrlich sind und die Wahrheit sagen, wie können wir das erwarten, wenn wir uns selbst nicht so verhalten?

 

Es wird auf dem Bogen genannt „Hilfsbereitschaft“ – eine Eigenschaft, ohne die unser gemeinsames Zusammenleben in allen Bereichen undenkbar wäre. Eine Welt voller Egoisten, die alle nur für ihren eigenen Vorteil kämpfen ohne Rücksicht auf andere, wollen wir das wirklich? Oder ist nicht doch so, dass Schwächere die Rücksichtnahme und Unterstützung der Stärkeren brauchen? Vielleicht gibt es auch einmal Situationen, in denen wir selbst auf die Hilfe anderer angewiesen sind, auf Menschen, die helfen ohne zu fragen, welchen eigenen Nutzen sie von ihrer Hilfe haben.

 

Auf dem Bogen steht weiter „Rücksichtnahme“ sowie „Höfliches und respektvolles Verhalten“. Ich will diese Aspekte nicht auch noch weiter eingehen, nur soviel: beim Unterschreiben der Zeugnisse habe ich gesehen, dass erstaunlich und erfreulich viele Schülerinnen und Schüler ihr Kreuz hier bei „ausgeprägt“ oder gar „besonders ausgeprägt“ erhalten haben.

 

Zu Erziehung gehört noch viel mehr, das alles auszuführen, würde den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen. Nur noch soviel:  Wenn es uns, Euren Lehrerinnen und Lehrern, gelungen sein sollte, dazu beizutragen, dass Ihr Euch in den von mir angeführten Eigenschaften und Verhaltensweisen positiv entwickeln konntet, dann wollen wir zufrieden sein und hoffen, dass Ihr als Erwachsene Menschen sein werdet, auf deren Bekanntschaft und Freundschaft andere Menschen Wert legen werden und auf die Eure Familie, besonders aber Eure Kinder, die Ihr einmal haben werdet, stolz sein können.

 

Wir Lehrerinnen und Lehrer sowie die Sozialpädagoginnen dieser Schule wünschen Euch alles Gute für Eure persönliche Zukunft. Nutzt die Möglichkeiten aus, die Euch Eure Ausbildung und Euer Abschluss bieten.


Wir wünschen Euch eine erfolgreiche und gewinnbringende Schulzeit in der gymnasialen Oberstufe, (falls ihr diesen Weg beschreiten wollt).
 
Wir wünschen Euch einen Beruf, einen Arbeitsplatz, der Euch Erfüllung bringt und den Ihr mit Engagement und Freude ausübt.


Wir wünschen Euch ein Leben im Umfeld guter Freunde und einer Familie, die sich auf Euch verlassen kann, so wie Ihr Euch auf sie verlasst.

 

Wir hoffen, dass Ihr Eure Schulzeit an der Thomas-Mann-Oberschule in guter Erinnerung behaltet und dass Ihr Eure nun ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer besucht und berichtet, wie es Euch ergangen ist,

 

Auch ich wünsche Euch für Eure Zukunft alles Gute.